Am 12. Mai, dem Tag der Pflegerinnen und Pfleger, erinnern auch wir an die unglaublichen Leistungen des Pflegepersonals und an Menschen, die Angehörige häuslich pflegen. In der öffentlichen Debatte geht es oft um Pflegeheime, in denen die Personalnot in den letzten Jahren immer weiter gestiegen ist und gleichzeitig der Eigenanteil an den Kosten in die Höhe schießt. Von der Politik wenig wahrgenommen werden indes die Schicksale von pflegenden Angehörigen, und das obwohl der Großteil der Pflegebedürftigen zuhause versorgt wird.

Auch durch diese Situation verursachte Armut, Krankheit und soziale Isolation sind kaum Thema. Statt pflegenden Angehörigen immer mehr Arbeit aufzulasten, braucht es in Deutschland eine Personaloffensive in der Pflege und Unterstützung für die vielen Tausenden Menschen, die ihre Familie zuhause versorgen. Schon vor der Pandemie waren überlastete Intensivstationen der Dauerzustand in Deutschlands Krankenhäusern, eine miese Bezahlung für das herausragende Arbeit leistende Personal ist noch immer Normalität.

Viele Kolleginnen und Kollegen geben den Beruf aufgrund der Arbeitsbelastung und des niedrigen Lohns auf, obwohl sie ihren Beruf gerne ausüben. Wertschätzung der Arbeit in der Pflege heißt gleichzeitig auch mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen für das Personal in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Während die letzten beiden Jahre der desolate Zustand der Pflege und das schlecht ausgestattete Gesundheitssystem die öffentliche Debatte bestimmten, versuchte die Politik allenfalls halbherzig Lösungen zu finden. Nun sehen wir jedoch, wie innerhalb kürzester Zeit über 100 Milliarden Euro für Rüstung beschafft werden können, nachdem die Bundesregierung für Pflegekräfte in zwei Jahren Pandemie kaum mehr als müdes Klatschen und nach langem Hin und Her einen viel zu kleinen Bonus organisiert hat.